New Rock Reviews // 8 von 10 Punkten

Fazit: Experimentierfreudig, abwechslungsreich und musikalisch einwandfrei. Empfehlenswert ist die Platte für alle, die sich für Instrumentalwerke aussprechen und musikalisch ansprechend relaxen wollen.

 

Review vom 31. April 2014 zum Debutalbum "Aureola" von New Rock Reviews:

Manchmal möchte man meinen, sechs Songs wären viel zu wenig für ein Album. Und dann kommen Bands wie DIVUS und beweisen einem das Gegenteil. Auf ihrem Debütalbum Aureola haben die Schweizer sechs Songs gepresst, jedoch dabei die volle CD-Länge ausgereizt. Nichts für die schnelle Raucherpause zwischendurch (auch wenn ich Nichtraucher bin), da selbst der kürzeste Titel knappe neun Minuten geht. Dieses Album könnte tatsächlich interessant werden.

Wer bei DIVUS auf Gesang wartet, tut dies vergeblich. Jedes einzelne der Lieder ist instrumental, was so natürlich nur im Prog-Rock funktionieren kann. Ob es die Band schafft, mich damit zu überzeugen, wird sich in den nächsten Zeilen herausstellen. Von der Produktion her gibt es schon mal nichts zu mäkeln. Sauber und ausgewogen, dafür gibt es für mich keinen Ansatzpunkt zur Kritik. 

Aureola beginnt mit „Vates“, einem elfeinhalbminütigen Werk, dass gleich von Anfang an recht deutlich klar macht, wohin die Reise geht. Die Leads sind mit leichtem Hall versehen, wodurch die ganze Nummer einen leicht mystischen Touch bekommt. Hier und da sind ein paar ruhigere Stellen eingestreut, die den ganzen Eindruck noch bestätigen. Meiner Meinung nach ein ganz gut gelungener Anfang. Mit „Anima“ folgt dann auch schon der längste Titel des Albums. 17:42 sind nichts, was man einfach mal so zeitlich über hat. Entsprechend lang hat es auch gedauert, bis ich mich entscheiden konnte, was ich von dem Song halte. Auch hier mangelt es nicht an Abwechslung, allerdings fehlen mir dann doch ab und an mal ein oder zwei gesungene Zeilen. Der Song beginnt recht ruhig und baut sich über die ersten Minuten schön auf, bevor wieder ein wenig der Wind aus den Segeln genommen wird. Besonders in der Mitte des Songs nehmen die Jungs ein wenig Fahrt auf, was mir sehr gut gefällt und mich kurz an Bands wie PROTEST THE HERO erinnert. Die Nummer eignet sich aber definitiv hervorragend um zu entspannen. 

„Awakening“ ist erneut im Längenbereich des Openers anzusiedeln und zieht gleich von Anfang an recht gut durch, auch wenn die Band sehr schnell wieder Tempo herausnimmt. Auch hier vermisse ich irgendwo den Gesang. Abwechslungsreich ist auch diese Nummer (besonders der Teil gegen Ende gefällt mir sehr), vom Sound her jedoch ähnlich wie die vorangegangenen (sprich Hall auf den Leads, stark verzerrte Rhythmusgitarren). Mit „Mosaic I“ beginnt dann ein dreiteiliges Werk mit einem sehr ruhigen Intro, das einen noch tiefer in die mystische Grundstimmung eintauchen lässt. Was ich an der Nummer unglaublich cool finde, ist das sich der Song so gut aufbaut, dass einem kaum auffällt, dass er auch fast neun Minuten lang ist. Das Beckenspiel des Schlagzeugs, die von links nach rechts wandernden, hallenden Leads und der dezent im Hintergrund gespielte Rhythmus sind hier besonders stark gemacht, bevor man dann langsam an den Ausbruch des Songs geführt wird – denkt man. 

Stattdessen beginnt „Mosaic II“, in den der Vorgänger ohne Pause übergeht. Auch hier geht es recht ruhig los, allerdings etwas grooviger, sodass man doch etwas mitnickt. Der Groove bleibt auch in späteren Teilen des Songs immer aufrecht erhalten und gibt der Nummer einen sehr coolen Anstrich. Auch wenn es mir eher schwer fällt, einen bestimmten Song von Aureola herauszupicken, „Mosaic II“ wird wohl meine Lieblingsnummer. Einige Teile des Songs erinnern mich gar an ruhigere Stellen aus dem ein oder anderen AUGUST BURNS RED-Song (besonders „Creative Captivity“ kommt mir da in den Sinn). Damit trifft man natürlich immer den Geschmack eines Metalcore-Geprägten wie mich. Großartiger Song, der ebenfalls ohne Pause zu „Mosaic III“ übergeht. Auch der überzeugt mich mit ähnlichen Anleihen wie „Mosaic II“. Coole Riffs, Maiden-ähnliche Leads und ein Groove, der einen zum Mitnicken zwingt. Es scheint, als würden die Jungs gerade gegen Ende noch einmal richtig einen raus hauen wollen – und das tun sie mit Erfolg. Wenn die zweite Platte so weitergeht wie die erste aufhört, will ich mehr davon. 

Fazit: Experimentierfreudig, abwechslungsreich und musikalisch einwandfrei zeigen sich DIVUS auf Aureola schon. Großer Kritikpunkt meinerseits wäre die Länge der Songs, da man hier und da doch aus einem Song zwei oder eventuell gar drei hätte machen können („Anima“), und der Gesang, der mir im ersten Teil der Scheibe tatsächlich etwas fehlt, was aber durch das tolle Songwriting in der „Mosaic“-Reihe ausgeglichen wird. Empfehlenswert ist die Platte für alle, die sich für Instrumentalwerke aussprechen und musikalisch ansprechend relaxen wollen. 

Hörtipps: Besonders die „Mosaic“-Teile, aber auch „Vates“.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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